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Zeit für mich

Raum für mich!

Wenn Du ein Familienmitglied pflegst und zu Hause sehr viel mithelfen musst, kommen  Deine Freizeit, Deine Interessen und Wünsche, dann kommst Du oft zu kurz!

Es ist aber sehr wichtig, dass Du Dir Zeit für Dich nimmst, damit Du Dich erholen, ausruhen und entspannen kannst. Auch Deine Eltern wünschen sich sicherlich, dass Du einen möglichst normalen Alltag hast und Deine Kindheit und Jugend genießen kannst. Ist das durch eine Krankheit eines Familienmitglieds nicht mehr möglich, müssen Deine Familie und Du Euren Tagesablauf eventuell neu planen. Aufgaben, die vorher zum Beispiel Deine kranke Mama übernommen hat, müssen jetzt neu aufgeteilt werden. So kann es sein, dass Du als Kind Dinge erledigen musst, die Du vorher nie tun musstest. Vielleicht musst Du Dich jetzt um die Wäsche oder den Einkauf kümmern, weil Deine Mama das nicht mehr schafft. Dadurch hast Du weniger Freizeit und auch weniger Zeit für Dich und für Deine Freunde.

In vielen Familien ist es oft so, dass in einem solchen Fall auch die Wohnung oder das Haus umgeräumt oder sogar umgebaut werden muss. Es kann sein, dass dadurch dann zu Hause weniger Platz für Dich ist. Vielleicht musst Du Dir ja sogar ein Zimmer mit Deinen Geschwistern teilen und hast gar kein eigenes Kinderzimmer mehr?

Das kann zwar ganz nett sein, aber manchmal brauchst Du vielleicht einfach mal Zeit und ein Zimmer ganz für Dich alleine! Vielleicht möchtest Du einfach mal in Ruhe ein Buch lesen oder ohne Deine Geschwister mit Deinen Freunden spielen?

Wenn eine Familie so fest zusammenarbeiten muss, dann kann das manchmal sehr schön sein, es kann aber auch manchmal anstrengend sein. Wahrscheinlich kennst Du sogar beide Gefühle. Dabei merkst Du vielleicht, dass Ihr als Team gut zusammenhelft. Du bist ein wichtiger Bestandteil in der Familie, ohne Dich würde der Alltag nicht mehr funktionieren! Es tut gut, wenn Deine Eltern oder Geschwister Dich loben, weil Du etwas besonders gut kannst und sie sich auf Dich verlassen können.

Manchmal kann es aber auch ganz schön schwierig sein, wenn man so viel Zeit als Familie gemeinsam verbringt. Vielleicht bist Du genervt, weil sich Deine Eltern ständig mit Dir unterhalten wollen? Vielleicht hast Du auch keine Zeit mehr für die Schule oder Deine Freunde, weil Du daheim ständig mithelfen musst?

Mit Deinen Freunden kannst Du vielleicht gar nicht so gut darüber sprechen, wie es Dir geht, weil sie gar nicht wissen, wieviel Arbeit es ist, bei der Pflege mitzuhelfen. Manchmal bleibt da nur Deine Familie, mit der Du über Deine Gefühle reden kannst. Das kann aber auch ziemlich doof sein, zum Beispiel wenn Du manche Themen lieber mit einer gleichaltrigen Person besprechen würdest.

Aber: Du bist nicht alleine!

Eine Wissenschaftlerin hat in Deutschland Interviews mit Kindern gemacht, die ein Familienmitglied pflegen und hat folgende Antworten* bekommen:


14-jähriges Mädchen

„Wenn man so dabei ist, dann ist das automatisch so, es kommt immer was dazu – so wie die künstliche Ernährung oder der Katheter oder so, es wird immer mehr gemacht, und man nimmt es einfach so an und… macht es dann“.


14-jähriger Junge

„Ja, was soll ich denn machen, soll ich denn immer spielen gehen, und die alleine lassen? Rausgehen oder so was, das bringt nichts. Nämlich immer zuhause zu bleiben ist besser, dann ist die Familie enger zusammen“.


Familienpapa:

„Ich glaube da gibt’s kein Geheimnis und keine Stärke, ich denke, dass wir alle mehr oder weniger da reingewachsen sind, und dass alle mehr oder weniger auch mit zupacken, also, jeder nach seiner Fähigkeit sag ich mal jeder, wie er es kann. Ich hab auch manchmal nicht Lust irgendwas zu machen und die Kinder haben manchmal genauso wenig Lust irgendwas zu machen, aber, es geht halt nicht anders,… früher haben wir’s halt so eingeteilt gehabt, dass der, was jeder gerne macht und so, haben wir das halt aufgeteilt, aber nun müssen wir auch manchmal Sachen machen, die wir halt nicht so gerne machen, die meine Frau gemacht hat, gerne, und halt einfach nicht mehr kann (!), aber es klappt halt irgendwie“.


* aus Metzing Sabine:
Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige. Erleben und gestalten familiärer Pflege. 2007, Verlag Hans Huber Bern, S.87f