A- A A+

Dekubitus

Andere Bezeichnungen:

Druckgeschwür, Wundliegen

Definition – Was ist das?

Ein Dekubitus ist eine örtlich begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes. Es ist quasi eine Druckstelle. Je öfter und länger ein Mensch immer wieder auf dieser einen Stelle liegt, umso eher entwickelt sich solche ein Dekubitus. Er tritt also vor allem bei Menschen auf, die viel liegen oder sitzen, wie zum Beispiel bei kranken oder alten Menschen, die sich nicht mehr gut aus eigener Kraft bewegen können und ständig im Bett liegen oder im gleichen Sessel sitzen.

Meist tritt ein Dekubitus an leicht hervorstehenden Knochen auf, die nur von wenig Fett- oder Muskelgewebe umgeben sind. Besonders häufig betroffen sind es das Steißbein (das ist ganz unten das Ende der Wirbelsäule) und der Po sowie die Fersen. Druckgeschwüre können aber auch am Hinterkopf, an den Ohren, an der gesamten Wirbelsäule oder den Kniegelenken, Fußknöcheln, Ellbogen, Hüftknochen oder Schultern entstehen.

Ein Dekubitus beginnt mit einer oberflächlichen Hautschädigung. Diese kann innerhalb weniger Stunden oder Tage entstehen und zeigt sich zunächst durch eine Rötung der Hautstelle. Wenn der Druck nicht sofort bei der ersten Rötung komplett weggenommen und vermieden wird (etwa durch Andershinlegen/-setzen) drohen schwere Schäden. Sie reichen von Blasen oder Abschürfungen über offene Geschwüre bis hin zu tiefen Löchern in der Haut, also offene nässende oder gar blutende Wunden.

Ein Dekubitus ist ein großes Problem in der Pflege, denn er wird häufig nicht sofort entdeckt, ist für die Betroffenen äußerst schmerzhaft und heilt oft nur schlecht ab. Um ein Dekubitus zu heilen, müssen viele Behandlungen durchgeführt werden, teils auch mehrmals täglich. Neben den Schmerzen bringt er zudem ein erhöhtes Risiko von Infektionen (Entzündungen) mit sich.

Wie bekommt man das?

Liegt oder sitzt die Person über längere Zeit in immer derselben Körperhaltung, kann an den Stellen, an denen der Körper auf der Unterlage (z.B. Bett, Sessel, Stuhl) aufliegt, zu viel Druck entstehen. Durch den Druck kann die Haut nicht mehr richtig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und die Durchblutung wird eingeschränkt.

Bei gesunden Menschen würde sich das durch ein Kribbeln äußern und man würde das Körperteil automatisch bewegen. Dadurch wäre der Druck beseitigt und das Gewebe würde wieder genügend Sauerstoff durch das Blut bekommen. Kranke und alte Menschen können diese automatische Bewegung aber oft nicht mehr aus eigener Kraft ausüben.

Ein Dekubitus kann entstehen, wenn kurzzeitig starker Druck auf die Haut ausgeübt wird, aber auch, und das kommt viel öfter vor, wenn über längere Zeit leichter Druck besteht. Bei zu langem Druck sterben die Zellen sogar ab.

Wann steigt das Risiko?

Das Risiko für einen Dekubitus steigt, wenn die Körperstellen, an denen wenig Fett- oder Muskelgewebe ist, auf Falten im Bettlaken oder der Kleidung aufliegen. Schlecht ist es auch, wenn der Betroffene unbeabsichtigt im Bett oder im Sessel herunterrutscht. Auch Schienen, Katheter oder Ähnliches können an der Haut reiben und einen Dekubitus verursachen. Ein Katheder ist ein Schlauch mit einer Nadel dran, die die ganze Zeit im Körper steckt und darüber Medikamente gespritzt werden. Dadurch muss nicht jedes Mal neu gepikst werden.

Die Gefahr steigt zusätzlich, wenn die Person übergewichtig oder sehr mager (also sehr dünn und leicht) ist. Auch an Stellen, an denen die Haut dauerhaft feucht ist, entsteht leichter ein Druckgeschwür. Das ist zum Beispiel am Po so, wenn die Person an Inkontinenz leidet und Inkontinenzeinlagen oder eine Inkontinenzhose trägt. Diese muss dann häufiger gewechselt werden.

Was kann man dagegen tun? Wie kannst Du helfen?

Damit es erst gar nicht zu einem Dekubitus kommt, ist es wichtig, dass Dein pflegebedürftiger Angehöriger möglichst bequem und abwechslungsreich liegt oder sitzt. Dabei helfen Lagerungskeile oder Wechseldruckmatratzen (was das ist und wie Du die bekommt, findest Du unter „Hilfsmittel“).

Falls eine Pflegerin oder ein Pfleger eines ambulanten Pflegedienstes zu Euch nach Hause kommt, frage sie oder ihn, wie Du selbst helfen kannst und worauf Du achten musst.

Wenn Du selbst das Umlagern (anders Hinsetzen oder -legen) vornehmen willst, solltest Du Dir unbedingt Hilfe von einem Erwachsenen holen. Denn falsches Ziehen oder Zerren kann dazu führen, dass die Haut erst recht verletzt wird. Zudem kann diese Aufgabe für Dich einfach zu schwer sein. Achte auf Deine Kräfte und überfordere Dich bitte nicht!

Was Du normalerweise tun kannst, ist, die Haut Deines Angehörigen jeden Tag genau anzuschauen und zu kontrollieren. Besonders wichtig sind die Fersen, das Steißbein und der Po – das solltest Du aber nur machen, wenn Du es Dir wirklich zutraust und wenn es für den anderen in Ordnung ist.

Sobald Du eine verdächtige Rötung bemerkst oder die Person über Schmerzen an einer Körperstelle klagt, solltest Du so bald wie möglich den Pflegedienst oder Euren Arzt darauf aufmerksam machen. Nicht jede Rötung ist ein Dekubitus, aber es ist gut, aufmerksam zu sein und nachsehen zu lassen, um Schlimmeres zu verhindern.

Tipp: Der Fingertest

Der Fingertest kann Dir Aufschluss geben, ob Dein Angehöriger einen Dekubitus hat oder nicht. Drücke mit einem Finger vorsichtig auf die gerötete Hautpartie und achte auf diese Zeichen:

  • Wenn sich ein weißer Rand um die Rötung bildet, handelt es sich vermutlich nicht um einen Dekubitus.
  • Wenn nach dem Wegnehmen des Fingers jedoch für kurze Zeit ein weißer Fleck auf der Rötung sichtbar bleibt, liegt zwar noch kein Dekubitus vor, aber es besteht ein Risiko.
  • Wenn die Rötung bleibt, also nicht „wegdrückbar“ ist, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Dekubitus.

Dekubitus-Behandlung

Wenn Dein Angehöriger einen Dekubitus hat, gehört die Behandlung und Pflege in die Hände einer Pflegekraft bzw. Eures Arztes. Du kannst Dir aber, wenn Du das möchtest, zeigen lassen, wie Du helfen kannst, zum Beispiel beim Umlagern oder was Du tun kannst, damit keine weiteren Druckstellen entstehen.